Wednesday, March 19, 2025

Bassd scho - Ewald Arenz als Franken-Erklärer

 Ewald Arenz ist nicht nur in Franken geboren und aufgewachsen, auch seine Romane spielen häufig in der Region, in den  Dörfern und Kleinstädten mit ihrem nicht gerade zu rheinischer Kommunikationsfreude auflaufenden Menschen. Da liegt es nahe, ihn als Reiseführer und Erklärer der Region in der Reihe "Gebrauchsanweisung für..." einzusetzen, und Arenz ist der Aufgabe offenbar hochmotiviert nachgekommen. Zu dem Ergebnis würde man in Franken vermutlich knapp sagen: Bassd scho. Das ist, wie auch Arenz in seiner Beschreibung fränkischer Mentalität erzählt, geradezu überschwengliches Lob.

Arenz nimmt seine Leser*innen mit auf eine Reise kreuz und quer durch Franken, ausgehend von Nürnberg, schildert Lokalrivalitäten zwischen Ober- Mittel- und Mainfranken, zwischen Nürnberg und Fürth und zwischen Franken und Bayern sowieso. Denn eines müssen Franken-Besucher gleich von Anfang an verinnerlichen: Franken fühlen sich ganz überwiegend nicht als Bayern!

Arenz´Gebrauchsanweisung für lieblich-romantische Landschaften, schmucke Dörfer und Kleinstädte mit wenig Tourismus und manch architektonischem Juwel ist launig geschrieben, mit heiterer Ironie und einer Mischung aus Nähe und Distanz. Der Autor, der sich gerne auf dem Fahrrad durch Franken bewegt, plädiert für das langsame Reisen durch eine uralte Kulturlandschaft, wo alle schon mal waren - die Kelten, die Römer und selbst die Preußen. Von Bratwurst und Bier ist die Rede, von Mainschleife und Bochsbeutel, den Spuren der Bauernkriege und des Nationalsozialismus.

Vor allem aber ist es ein Beschreibung von Idylle und einem irgendwie langsameren Leben jenseits hipper Metropolen. Man sollte schon das Kleine, Überschaubare lieben, sanftes Hügelland und plätschernde Bäche, wenn man sich auf eine Franken-Tour begibt. Hungrig und durstig wird man jedenfalls nicht enden, wenn man Arenz´ Ratschläge berücksichtigt.


Ewald Arenz, Gebrauchsanweisung für Franken 

Piper 2025

240 Seiten, 16 Euro

9783492277730

Wednesday, February 5, 2025

Nachdenken in der Wüste

 Die Wüste hat mich schon immer fasziniert. Da war schnell klar, dass ich mit dem Buch "Der Weg" von Wolfgang Büscher zumindest per e-reader in der Sahara unterwegs sein wollte. Der Autor war in Begleitung einheimischer Führer/Fahrer wochenlang im algerischen Ahoggar unterwegs, zwischen Bergen und Wüste, auch auf den Spuren von Charles de Foucauld, auf dessen Leben er immer wieder eingeht.

Unterwegs sein in der Wüste entschleunigt und macht bescheiden - denn die Umgebung ist so viel größer als der Reisende. Das ist auch beim Lesen immer wieder zu spüren, wenn der Autor nur schaut und denkt. Aus den Gesprächen mit seinen Begleitern lernt er über die Lebensweise der Tuareg, über Traditionen, die immer noch lebendig sind, die in den wachsenden Städten wie Tamanrasset auch zunehmend bedroht sind. Eher nebenher geht es um die Migrationsrouten, aber das Schicksal der Afrikaner, die von Schleusern durch die Wüste gekarrt werden, von denen viele niemals ihr Ziel erreichen, bleibt vage. Mehr Aufmerksamkeit widmet Büscher den illegalen Goldschürfern, vielleicht, weil sie die erhabene Landschaft zerstören.

Die Naturbeschreibungen lassen die Großartigkeit der Berge in ihren vielen Formen, mit Spuren früher menschlicher Besiedlungen, als die heutige Sahara eine grüne Savanne war, ahnen. Leider ist das Buch nur äußerst sparsam bebildert, den Rest muss die eigene Vorstellungskraft schaffen. Langsam und nachdenklich erzählt ist auch in diesem Buch der Weg das Ziel.

Wolfgang Büscher, der Weg. Eine Reise durch die Sahara

dtv 2025

240 Seiten, 24 Euro

 9783423284462